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Kämpfen auf Koreanisch

Artikel vom:
29.07.2008
Quelle:
Dülmener Zeitung
Autor:
Florian Fries
Rubrik:
Szene in Dülmen
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Artikel Inhalt

SZENE IN DÜLMEN                              Dienstag, 29. Juli 2008

 

Kämpfen auf Koreanisch

 

Florian Fries beim Taekwondo

 

Fußball, Handball, Volleyball – in Dülmen ist sportmäßig viel los. Darunter sind auch einige Angebote, die etwas außergewöhnlich sind. Die Szene-Redaktion der Dülmener Zeitung hat sich diese Angebote etwas genauer angesehen und getestet.

 

Ausprobiert – Außergewöhnliche Sportarten im Test

 

Von Florian Fries

 

Dülmen. Linker Fuß nach vorne. Den rechten etwa einen Meter dahinter versetzt. Meine linke Hand Halte ich zur Faust geballt an meiner Hüfte, um so Angriffe des Gegners abzuwehren. So sieht die im Taekwondo aus. Meine Angriffe führe ich mit der rechten Seite aus. Ich kann entweder einen schwungvollen Tritt am Körper beziehungsweise am Kopf des Gegners anbringen oder ihn mit einem schnellen Schlag überraschen. Nach einem eigenen Angriff setze ich den rechten Fuß nach vorne, die Positionen der Hände werden nun mit einer Kreuzbewegung der Hände gewechselt, so dass Angriff- und Verteidigungsseite getauscht haben.

 

Wir befinden uns in der Turnhalle der Kardinal-von-Galen-Schule und mit einer kleinen Gruppe trainiere ich Taekwondo. Mit einem mulmigen Gefühl habe ich zuvor die Halle betreten, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde. Taekwondo! Kampfsport! Da konnte ich mir viel drunter vorstellen. Trainer Thomas Telsemeyer begrüßt mich freundlich und durch kurze, interessierte Fragen wie "Machst du auch einen Sport?", nimmt er mir meine größte Aufregung. Gemeinsam betreten wir die Halle. Währenddessen führt er mich in die Grundlagen des Taekwondo ein und verrät: "Disziplin ist sehr wichtig. Jüngere haben ältere, sowie höhere Gürtel zu achten."

Wir sind zehn Leute an diesem Nachmittag, stehen in drei parallel aufgestellten Dreierreihen und verbeugen uns. Ich stehe ganz vorne links. Das ist kein Zufall, denn im Taekwondo stehen die mit den niedrigsten Gürteln vorne links. Vorne rechts steht der höchste Gürtel. "So können schlechtere bei den Guten abgucken.", erklärt Telsemeyer mir das System.

 

Nun kann es also losgehen mit der großen Prügelei, oder? Wir sind hier nicht in New Yorks Nebenstraßen, sondern bei einer koreanischen Kampfsportart. Der Kampf beruht auf einer Vorbereitung, körperlich wie seelisch. Deshalb "beginnen wir mit einem kleinen Aufwärmprogramm", erklärt Telsemeyer. Klein? Hört sich gut an. Nur habe ich den Begriff falsch verstanden.

 

Auf der Stelle gehen. Die Knie zur Brust ziehen oder die Hacken an den Po ziehen, das waren die Übungen, bei denen ich, abgesehen von meinem blauen Sporttrikot, nicht als "Frischling" auffalle. Aber das sollte spätestens bei den Dehnübungen der Fall sein. Es bleibt mir bis heute ein Rätsel, wie ein Mensch es schaffen soll, in der weiten Grätsche sitzend mit der vollen Hand hinter seinen Fuß packend, mit der Stirn das Knie zu berühren. So staune ich nicht schlecht, als die anderen diese und noch viel kompliziertere Übungen ohne Probleme erfüllen. "Kurze Trinkpause", erlöst mich Telsemeyer, denn schon nach dem Aufwärmprogramm geht mir die Puste aus.

Nun beginnt für mich der Kampfsport. Drei Pratzen dienen als Übungsgeräte für verschiedene Tritte und Schläge. Mein Trainer hält eine Pratze etwa einen Meter hoch. Aus der Grundstellung trete ich diese mit voller Wucht weg! "Paah", sage um beim Angriff auszuatmen, meine Bauchmuskeln anzuspannen und mich so vor Kontern des Gegners zu schützen. Mehrmals lege ich all meine Kraft in die Tritte,  bis es wieder heißt: Pause! Zwei Minuten Luft geholt und weiter geht es.

 

Jeder sucht sich eigene Partner für die nächste Aufgabe, bei denen die zuvor geübten Angriffe in Richtung eines Partners ausgeführt werden. Dieser weicht mit Sprüngen, alles in der Grundstellung, zurück.

 

Heute ist es ein Training ohne jeglichen Körperkontakt. Allerdings, wenn ein Angriff zu schnell ist, der Gegner nicht ausweicht, kann es gelegentlich auch zum unfreiwilligen Körperkontakt kommen. Dann ein kurzes Abklatschen, eine Entschuldigung und weiter geht es. Auch deshalb gehört Taekwondo zu den so genannten harten Kampfsportarten. An anderen Tagen wird auch der echte Kampf trainiert.

 

18.45 Uhr - meine Pflicht ist getan. Vollkommen erschöpft purzel ich all eine auf die Holzbank an der Seite der Halle, denn die anderen haben noch eine letzte Aufgabe: Schattenkampf! Je höher der Gürtel, den man trägt, desto länger dauert der Kampf gegen den imaginären Gegner. Dann geht es für alle wieder aufs Parkett, mit einer Verbeugung endet das Training.

 

Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, einen Kampfsport auszuüben und dieser Nachmittag hat alle meine Erwartungen im positiven übertroffen.

 

Zum Thema

 

Sportgemeinschaft Taekwondo

 

„Taekwondo" bedeut soviel wie Fuß, Faust, Weg, der Kampfsport kommt aus Korea. Die Sportgemeinschaft Taekwondo e.V. Dülmen hat insgesamt 67 Mitglieder, teilnehmen kann man ab sechs Jahren. Training ist dreimal die Woche. Weitere Informationen zu der Sportgemeinschaft gibt es bei Bernd Schmidt, Tel. 02594/5098345 www.tkd-duelmen.de

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