-> 17.-19.09.2004 - Taekwondo-Camp Attendorn * PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Aktivitäten

Taekwondo-Camp Attendorn vom 17.09.-19.09.2004

Wir können’s einfach nicht lassen...

 

Zum 4. Mal in Folge holte uns auch in diesem Jahre wieder der TKD-Lehrgang in Attendorn hinter der Dülmener’schen Stadtmauer hervor und zog uns für ein Wochenende ins Sauerland. Einmal infiziert breitete sich die Begeisterung rasch aus, unter Führung von hochdekorierten Weltmeistern, Europameistern und Nationaltrainern Trainingseinheiten absolvieren zu können. So waren dieses Mal als Referenten dabei:

 

  •  Großmeister Shin in Shik (Ex-Jugendbundestrainer)
  •  Großmeister Kim Woo Kang
  •  Ireno Fargas (Ex-Nationaltrainer/Spanien)
  •  Henk Meijer (Nationaltrainer/Niederlande)
  •  Aziz Acharki
  •  Jesper Roesen
  •  Dang Dinh Kytu (Nationaltrainer Technik/Dänemark 7. Dan)
  •  Miguel Fransen
  •  Double Dragon Team

 

Für die „Mehrfachtäter“ unter uns, die schon einige Jahre Attendorn hinter ich hatten, gesellte sich zu der Freude auf die sportliche Herausforderung noch die Freude auf die Trainer an sich, die es allesamt schaffen, auch durch ihre Persönlichkeit und ganz unterschiedliche Art zu begeistern.

 

Besonders bemerkenswert sind hierbei zwei Phänomene:

 

1. Daß die Referenten selber solch einen Spaß am TKD und an diesem Lehrgang ausstrahlen und

2. selbst bei der grausamsten Leistung unter ihren Augen nicht auch nur einmal das Gefühl aufkommen lassen: „Welche hohle Nuß ist mir denn da in die Halle geschlüpft?“.

 

Im Gegenteil: Sofern möglich bekommen die Schwächeren trotz der z. T. großen Gruppen Extrabetreuung bei kniffeligen Übungen. Und das stachelt an: Der Wille ist geweckt („Verdorrig, muß doch irgendwie gehen...!“) Gleichzeitig wird auf der Gegenseite nicht mit Lob gespart, so daß nach jeder Einheit ein gutes Gefühl hängen bleibt.

 

Wobei die angstvollen Frage „Ist doch nur was für Schwarzgurte, für die richtigen Cracks?!“ schon beantwortet wäre: „Nee!“. Ist was für alle, Weißgurt oder Schwarzgurt, jung oder alt, unterschiedliche Nationalitäten versammeln sich. Was zählt ist die Freude am Kampfsport, und so ist auch das Gruppengefühl entsprechend angenehm.

 

Und wie geht es denn jetzt genau vonstatten, dieser Lehrgang? Ihr wollt mehr wissen, was wir da getrieben haben? Na ist doch kein Problem. Unser Erfahrungsbericht:


Freitag:

Anreise bereits freitags, um dann von 20:00 bis 22:00 Uhr das Willkommenstraining zu absolvieren. Umziehen in der Umkleide der Halle und erste Atmosphäre schnuppern. Die Anzahl der Schwarzgurte erscheint bei den Hunderten von Teilnehmern aus verschiedenen Nationen, die sich geschmeidig gut in der Dreifachhalle verteilen, immer unheimlich hoch, doch erfreulicherweise erblickt man doch ganz bald die ersten Weißgurte und die ersten Kinder flitzen durch die Halle. Na, wird doch gar nicht so schlimm, bunte Mischung! – „Bunte Mischung“ stimmt, heißt aber nicht automatisch „Wird gar nicht so schlimm!“ im Sinne von „Wir können uns schonen und gönnen uns ein Light-Training“... Nach der kurzen Ansprache vom Organisator Antonio Barbarino zeigten sich die ersten Trainer, die die Freitagseinheit unter sich aufteilten: So startete Ky Tu mit dem Aufwärmtraining und scheuchte uns laufend, springend, rennend, hopsend, Handstand laufend und Rad schlagend durch die Halle, während Ireno Fargas den Mittelteil übernahm und nicht müde wurde, uns mittels Gurt angeleint gegen den Gegner vorne und den Kollegen, der uns an der Leine hatte, durchzusetzen, was uns einiges an Kraft abverlangte. Gnade werde uns zuteil, aber auch Aziz Achaki schonte uns nicht , bevor er uns endlich die von vielen sehnlichst erwartete Abkühlphase gönnte.

 

Zwar schweißüberströmt, aber mit dem Gefühl „Geniales Training“ standen wir hinterher da. Geschafft! Zwei Stunden Training? Der erste Tag ist schon um? Wahnsinn! Keine Langweil-Übungen, die man schon seit frühester Schulzeit kannte, sondern ganz viele neue Ideen und Anregungen für den eigenen Verein. (Warum sollen die’s besser haben?)

 

Die Lebensgeister waren erstaunlich schnell wieder zurück. Unter der Dusche wurden zwar bei einigen die ersten blauen Flecken sichtbar, doch anhand der Gewißheit, daß da bestimmt noch einige folgen würden, ließ sich auch das besser verkraften. Und mit einem gewissen Repertoire an Cremes, Salben, Fußlotion und einer Portion guten Mutes ließ sich der Körper doch für den nächsten Tag gefügig und fit machen...


Samstag:

 

Oha, das Aufstehen ist schon schmerzhaft. Obwohl man memmenhaft eine Pension gebucht hatte, machte es einem schon die weiche Matratze nicht wirklich einfach, sich bis zur Bettkante hochzukämpfen. Kämpfen, da haben wir schon das Wort des Tages. Um 10:00 Uhr ging es los. Im Gegensatz zum Freitagstraining stehen samstags immer 4 einzelne Hallen mit 4 unterschiedlichen Trainern und unterschiedlichen Trainingsinhalten zur Auswahl. Ohne Vorankündigung kann man so vor jeder einzelnen Einheit individuell entscheiden, welches Training bei welchem Trainer es denn sein soll, oder ob man doch die eine oder andere Einheit aussetzen möchte. Und eifrige Ansagen gemäß „Ich mache hier nur Kampftraining!“ wurden so dann doch schnell mal revidiert...

 

Um euch einen Überblick zu geben, hier ein paar persönliche Eindrücke:

 

Ky Tu: Formen (Poomse)/Selbstverteidigung:

 

Formenbegeistert wir ich bin, mußte ich einfach zu Ky Tu (und nicht nur, weil er als Liebling der weiblichen und kindlichen Teilnehmer bekannt ist). Bereits 7-facher Europameister Poomse (Formenlauf) der bisher 7 mal abgehaltenen Europameisterschaft. Bis dato kann er sich noch nicht Weltmeister/Poomse nennen, aber auch nur deshalb, weil es in dieser Sparte des TKD bisher keine Weltmeisterschaft gibt. Daß er diese ansonsten gewinnen könnte, daran zweifelt wohl keiner, der jemals seine Techniken gesehen hat. So scheint Ky Tu’s Körper tatsächlich ohne Sehnen ausgestattet zu sein wie seine Dehnübungen uns schnell vor Augen führen. Mal eben einen Yop-Chagi im Spagat bis nach oben mit der vielsagenden Frage „Wie halten wir denn hierbei unseren Fuß: So oder so, oder so...?“ an die staunende Gruppe drumherum, von der selbst der erste einige Zeit brauchte, um sein Kinn vom Boden wieder in Mundregionen zu heben. Aber gemach, nicht ein einziges Mal in den Minuten, den unser Trainer aufgrund unserer Sprachlosigkeit in dieser Position verweilte, wurden wir Zeugen auch nur einen einzigen Wacklers...

Grandios glaubhaft die Vorstellung, daß man Millimeterpapier als Leinwand hinter seinem Körper anbringen könnte, und seine Bewegungen über Kopfhöhe, zum Kopf, auf Gurthöhe oder auf Kniehöhe in Länge und Höhe jeweils an genau demselben Millimeterstrich enden würden.

Trotz seiner tollen Technik keine Spur von Überheblichkeit. Ky Tu ist wohl der Trainer, dessen Freundlichkeit und Lebensfreude seinen Körper noch auf Meter Entfernung zu umspannen scheinen. Im Training: Immer einen Spaß auf den Lippen, um uns in urkomischer Slapstick unsere Fehler wie schlechte Abstandseinschätzung vor Augen zu führen „Der schlägt dich, und du trittst seinen Freund? Was hat dir sein Freund getan?“ Super viele Tips, die eigenen Poomse zu verbessern (in diesem Jahr war die 2. Form dran), Selbstverteidigungstechniken mit Blick auf den Sinn zu durchdenken und: Macht einfach irre Spaß dabei zu sein!

Zum Reinschnuppern: Die Exoten:

Eine weitere Besonderheit des Lehrgangs in Attendorn ist immer die Offenheit anderen Kampfsportarten gegenüber. So gibt es immer die eine oder andere Fremd-Sportart, in die man einfach mal reinschnuppern kann. Neben Nunchaku-Do und TaeBo bei Miguel Fransen war in diesem Jahr auch Capoeira mit dabei.


Double Dragon Team: Capoeira:

Capoeira, die unauffällige Kampfkunst der Brasilianer zur Verteidigung gegen die portugiesischen Unterdrücker bis ins 19. Jahrhundert, hatte mich schon länger interessiert und als sich in dieser Einheit die Möglichkeit bot, griff ich zielsicher zu. Das schöne sonnige und warme Wetter lud nach draußen ein, so zogen wir uns auf die Rasenfläche des Fußballfeldes zurück. Nach kurzer Einführung und der typischen Musik zur Einleitung wurden wir dann mit den ersten akrobatischen Formen des Capoeira vertraut gemacht: Dem Handstand! - War ein munteres Schauspiel, an die fünfzig TKD-Sportler beim Handstand-Versuch zu beobachten. Nun denn... auch ich landete mehr, als daß ich oben war... und so mußten aufgrund der mangelnden Zeit auch unsere geduldigen drei Trainer bald einsehen: „Belassen wir es mal bei dem Handstand und kommen wir nun zu einer anderen Figur: Dem Radschlag!“ Ratlosigkeit auf vielen Gesichtern. Nichtsdestotrotz wurde wieder todesmutig Position auf der Linie eingenommen und es galt eine halbe Fußballfeldbreite per Radschlag zu überwinden. Hin und zurück, hin und zurück... Dies fand ich, da eher radschlag- als handstandfähig bei den warmen Temperaturen und dem leichten Windhauch äußerst entspannend... bis es dann hieß: „Klappt ja schon gut, jetzt nehmen wir mal nur eine Hand.“ Eine Hand? Hm, ja, eine Hand also. Nach positiv verlaufenden physikalischen Berechnungen gelang es mir und einem Teil meiner Mitstreiter dann auch, die Strecken einhändig „abzuschlagen“. So weit so gut, oder so schlecht.

Die Stimmung war nichtsdestotrotz oder gerade wegen dieser Schwierigkeiten bombig, die ungewohnte Atmosphäre und die atypischen sportlichen Anforderungen schweißten zusammen. Um so mehr, als es dann hieß: „Und jetzt versuchen wir das ganze mal ohne Hände!“ Selbst die eingeschobenen Übungen zum Zwecke der Angstbeseitigung überzeugten nur einen minimalsten Teil. Weder die Profi-Version, wir halten die Arme gestreckt nach hinten, während unsere Beine sich in der Luft zum Radschlag verwirbeln, noch die einfachere Abart, die Arme unterwegs „Chicken-wings-mäßig“ nach vorne angewinkelt zu halten, um sich im Notfall noch abfangen zu können, konnten tatsächlich überzeugen. Was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Wie, fast war die Einheit schon um? Gut, eine Übung paßte noch ins knappe Zeitkonto: Ab in die Hocke, mit einer Hand hinten abstützen, den anderen Arm gestreckt vor dem Gesicht her, über den Kopf nach hinten führen – und dabei über die Schulter einen Radschlag nach hinten durchziehen. Man glaubt’s kaum: Mein Nebenmann hat’s tatsächlich geschafft. Ausführung sah dabei sogar richtig gut aus!

Und so fand die Akrobatikstunde dann erst einmal ihr Ende und mit ihr eine äußerst witzige + gelöste Trainingseinheit mit vielen neuen Eindrücken...


Miguel Fransen: TaeBo

 

„Schweißtreibend“, das war wohl das Wort der Stunde. Dicht gedrängt standen wir wegen des großen Andrangs, der jedes Jahr aufs Neue bei dieser Einheit herrscht, aneinander und sonderten bereits vom vorangegangenen Training reichlich geschlaucht Wärme ab. Miguel Fransen sorgte in seiner sympathischen Art nicht nur dafür, dass uns gar nicht erst kalt wurde, er heizte uns sofort richtig ein... Zunächst: Hatte ich geschrieben es war eng? Platz war schnell geschaffen, indem man die Gruppe in eine Außenrunde und eine innere Gruppe teilte. Dynamisch spritzig und beneidenswerterweise kein einziges Mal schnaufend, keuchend oder auch nur schwer atmend führte Miguel Fransen die Innengruppe zu peppiger Musik zügig und gnadenlos durch sein altbekanntes schnelles Programm aus Taekwondo + Boxelementen, während die Außenrunde die gleichen lieblichen Taktschläge als Antriebsmotor für Crunches und ähnlich entspannende Übungen nahm, die ihren Höhepunkt im Schlag auf die Pratze beim Hochkommen fanden. Und so freute man sich stets, den vermeidlich anstrengenderen Part im Wechsel zwischen Außen- und Innenrunde hinter sich lassen zu können gläubig dem Gedanken folgend: „Anstrengender kann’s nicht mehr werden“ – Wie (so) oft wurden wir eines Besseren belehrt... Und so bekamen wir, weshalb wir gekommen waren: Eine kraftzehrende Trainingseinheit bei einem witzigen + super-fitten Trainer, und das Gefühl richtig klasse ausgepowert zu sein. Puste hatte ganz am Ende trotz ständiger Teilnahme am Powertraining nur noch einer: Miguel Fransen selbst...

 

Henk Meijer: Pratzentraining

 

Kaum hatte ich diese Einheit auf dem Plan gesehen, stand unumstößlich fest: Ich bin dabei!! Es ist immer wieder ein Vergnügen mitzuerleben, wie Henk Meijer es schafft, seinen kraftvollen und kompromisslosen TKD-Stil mit guter Laune und flapsigen Sprüchen zu garnieren: „Bei uns in den Niederlanden sagt man: Alles, was du in einem Schlag erledigen kannst, da brauchst du keine fünf für...“ So bleibt bei dem ehemaligen Schwergewichtsweltmeister aus den Niederlanden wahrlich kein Halm stehen und auch aus uns holte er mit seinen Anfeuerrufen „Zerstören!“ und „Du sollst ihn schlagen, nicht mit ihm tanzen!“ in einem erwartungsgemäß super-kraftvollen Gemisch aus verschiedensten Hand- und Fußtechniken die letzten Reserven heraus, und verlangte uns einiges an Koordination, Kraft und Technik ab.

Dass jede einzelne der Techniken in der Lage war, einen Bruchtest zu bestehen, bewies Henk in der Budoshow der Referenten noch am gleichen Abend auf beeindruckende Art und Weise höchstpersönlich bei drei sofort aufeinanderfolgenden Aktionen.

 


Und so war Attendorn 2004 wieder ein erlebnisreiches Wochenende mit vielen tollen neuen Eindrücken und Ideen, viel Spaß und viel Freude am TKD in seiner ganzen Vielfalt.

 

An dieser Stelle auch ein großes Lob an das Team um Antonio Barbarino, das neben der Mannschaft aus tollen Trainern einen super Catering-Service auf die Beine gestellt hat, der keine Wünsche offen ließ.

 

Alles in allem läßt sich nur sagen:


Wir freuen uns auf Attendorn 2005!!

 

 

Dieser Artikel wurde geschrieben von: Silke